Atmaupamya

atmaupamya Das Mahabharata, eine Grundlagenschrift des Hinduismus und Brahmanismus (entstanden von 400 v. bis 400 n. Chr.), enthält als zentrales Prinzip:

„Man soll niemals einem Anderen antun, was man für das eigene Selbst als verletzend betrachtet. Dies, im Kern, ist die Regel aller Rechtschaffenheit (Dharma).“[13]

Weitere positive und negative Regelfassungen des Mahabharata zitiert der Indologe und Sinologe Konrad Meisig: „Die Tat, von der der Mensch nicht wünscht, dass sie ihm von anderen angetan wird, die begehe er nicht an anderen, da er sie ja als ihm selbst unlieb erkennt.“ (12, 251, 19) „Was immer man für sich selbst wünscht, das beherzige man auch beim anderen!“ (12, 251, 21) „Der Wissende möge alle Wesen behandeln wie sich selbst.“ (12, 268, 10, Lesart ab) „Man gebe nicht dem anderen das, was einem selbst zuwider ist!“ (13, 114, 8ab) Dieses Prinzip hieß auf Sanskrit atmaupamya, übersetzt als „Sich-selbst-zum-Gleichnis-nehmen“. Die Einbeziehung aller Lebewesen kennzeichnet die hinduistische gegenüber der konfuzianischen Regeltradition.[14]

Im Sutrakritanga, einer kanonischen Schrift des Jainismus, die Mahaviras Lehren überliefert (entstanden 600–300 v. Chr.), heißt es in der zehnten Lesung über Achtsamkeit:[15]

„Hat man das Gesetz erfüllt und die Sorglosigkeit [Gleichgültigkeit] überwunden, dann sollte man von erlaubter Nahrung leben und alle Lebewesen so behandeln wie man selbst behandelt werden will. Man sollte sich nicht der Schuld aussetzen durch die Begierde nach Leben…“

[13] Mahabharata 13,113,8 sa
[14] Konrad Meisig: Der frühe Buddhismus in chinesischen Quellen. In: Konrad Meisig (Hrsg.): Chinesische Religion und Philosophie: Konfuzianismus - Mohismus - Daoismus - Buddhismus: Grundlagen und Einblicke. Otto Harrassowitz, 2006, ISBN 3-447-05203-1, S. 12.
[15] Hermann Jacobi (Übersetzer, 1895): Jaina Sutras, Part II (Sacred Books of the East 45). Kindle Edition; 10. Lektion, Vers 3..


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